
Alexandra Brill (Universität Wien) stellte ein Forschungsprojekt dar, das die sprachbezogenen Subjektivierungsprozesse von Frauen aus der Ukraine in der deutschen Migrationsgesellschaft untersucht. Im Zentrum stehen jene Diskurse und Adressierungspraktiken, durch die Zugehörigkeit, Differenz und Legitimität hergestellt und verteilt werden. Analysiert wird, wie monolinguale Normen, neo-linguizistische Erwartungen und raciolinguistische Ordnungen Zugehörigkeit regulieren und wie sie durch die gegenwärtigen Verschiebungen zwischen Russisch, Ukrainisch, Deutsch und weiteren Sprachen neu konfiguriert werden. Auf Grundlage narrativer Interviews und adressierungsanalytischer Rekonstruktionen zeigt die Studie, wie Frauen in diesen mehrsprachigen Spannungsfeldern navigieren, wie sie adressiert und positioniert werden und wie sie diese Anrufungen annehmen, irritieren oder resignifizieren. Die Untersuchung richtet den Blick nicht auf individuelle Sprachkompetenzen, sondern auf Sprache als Diskursfeld und als epistemisches Medium der Macht. Damit wird sichtbar, wie Zugehörigkeit in alltäglichen sprachlichen Praktiken produziert, herausgefordert und neu artikuliert wird.
